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Lehren wie die Weltmeister

23. Juni 2010

Gibt es universelle Eigenschaften, die jede Lehrperson auszeichnen sollen – gleich, ob sie  daneben auch erzieht, ob sie im Schulunterricht, in der Berufsausbildung, im Training oder in der Hochschullehre unterwegs ist? Ob sie erfahrene, vorwissensstarke Lernende oder Lern-Neulinge vor sich hat? Ob sie professionell im Hauptberuf oder „nebenher“ lehrt, oder ob sie Lehrperson ist nur für einen ganz kurzen Moment, an dem sie einen bedeutsamen Lernprozess auslöst? Plakative Antworten wie „soll für ihr Fach brennen“, „soll authentisch“ oder gar „Freund der Lernenden sein“ greifen zu kurz, weil sie die Heterogenität möglicher Lernsituationen nicht hinreichend berücksichtigen. Hier soll daher ein differenzierter, aber auch distanzierender Antwortversuch unternommen werden.

Lehrend und lernend zugleich sein! Dieses Merkmal gilt nicht nur für die Kenntnis der Fachinhalte, sondern vor allen Dingen für die Methodenanwendung. Weiter: Die Lehrperson muss es auch kommunizieren, muss den Lernenden zeigen, dass sie selbst lernt. In der Didaktik – sie soll experimentieren, viele Methoden ausprobieren, kritisch reflektieren und dabei auch ein Scheitern riskieren. Dazu muss sie offenbaren, dass sie einer Rolle steht und diese, gemeinsam mit den Lernenden, beobachten.

Lehren ist ihre Praxis! Leider ist es häufig noch üblich, Erfolge in der Berufspraxis bzw. der Forschung als Qualitätsmerkmal für die Lehre oder für die Glaubwürdigkeit der Lehrperson heranzuziehen. Evaluationsergebnisse sprechen anders – lernförderlich ist nur das Lehren.

Farbe bekennen! In Disziplinen, in denen es eine Vielfalt von Grundannahmen oder Schulen gibt, muss die Lehrperson ihren eigenen Standpunkt klar verorten und offenbaren. Dass sie dabei auch andere Orientierungen gelten lässt, ist nicht nur ein Gebot der Fairness, sondern Voraussetzung für den Lerndiskurs.

Konstruktivistische Mediendidaktikerin sein! Und das im Sinne des vorherigen Absatzes auch zugeben.

Allgemein gebildet sein! Die Lehrperson soll Querbezüge ihres Fachs zu anderen Wissensbereichen herstellen und die Bedeutung seiner Inhalte für andere Lebenswelten darlegen können. Dabei kann sie durchaus auch Nerd sein, um das Primat ihres Fachs und des Lehrens, ihre eigene Motivation, zu beglaubigen.

Ideale Lehrpersonen: J.A. Comenius, J. Löw

Ausbilden sozialer Strukturen! Denn: Lernen ist ein sozialer Prozess. Ein Musterbeispiel für dieses didaktische Muster liefert der Fußball-Lehrer Joachim Löw: Bei seiner Aufstellung für die FIFA WM 2010 verzichtete er weitgehend auf die Nominierung älterer, erfahrener Spieler als (quasi-)formelle Autoritäten und damit auf die Vorgabe und Vorwegnahme strukturaler Eigenschaften des Gruppenprozesses. Er setzte vielmehr auf ein junges Spielerkollektiv aus Peers, das als lernende Organisation im Spiel sein Handlungswissen als Team aus den eigenen Sichten selbst konstruieren konnte. Der Motivationsfaktor Spaß wird als Nebenprodukt aus diesem, von Kritikern als „Hurra-Fußball“ bezeichneten Lernen, selbst generiert.

Das rechte Maß halten – sonst läuft die Wanne über!
DÖRING weist in seiner „Kompetenzwanne“ die Eigenschaftscluster Persönlichkeitskompetenzen, Sozialkompetenzen, organisatorische Kompetenzen, fachliche Kompetenzen und didaktisch/methodische Kompetenzen als Idealmerkmale einer Lehrperson aus. Dies alles ist auch hier gemeint und gut und richtig, nur: Bitte nicht Alles auf einmal und nicht immer von Allem ganz viel! Was den unerfahrenen Lerner unterstützt, kann den fortgeschrittenen eher hemmen als aktivieren. Und Gruppenprozesse stören. Unsere Lehrperson soll jede sich bietende Chance ergreifen, um durch Rückzug den (kontrollierten) Aufbau selbst organisierter Lernstrukturen anzustiften.

Zu viel ist schädlich.

Nur ganz leer darf die Wanne nie werden – der Boden muss stets mit dem „Profi des Sozialen“ – wie es DÖRING an anderer Stelle ausdrückt, bedeckt sein. Die ideale Lehrperson muss ständiger Beobachter sozialer Prozesse sein und dann – zum richtigen Zeitpunkt – das Richtige tun oder unterlassen. Also stets die situationsadäquate Entscheidung treffen. Wer das beherzigt, ob in der Regionalliga oder in Soccer City/Johannesburg, der wird immer netzen und netzen lassen.

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