Live, umsonst und (frisch) draussen

Die Dortmunder Autorensystem-Schmiede Link&Link bietet offiziell seit Mitte Juli 2010 unter der Bezeichnung IDEA Live auf dem gleichnamigen Portal Baisfunktionalitäten ihrer nicht ganz billigen Produkte IDEA Team (kollaboratives, browserbasiertes Autorensystem) und IDEA Professional (Offline-Client) als Light-Paket zur freien Online-Nutzung an. IDEA Live integriert dabei ein seitenorientiertes Authoring Tool auf eine Plattform mit Social Community-Features.

online

Why me?

Seit einiger Zeit setzen wir im Krim. Institut ein paar Installationen von IDEA Professional ein. Aktuell werden bei uns zwei WBTs mit dem Tool bearbeitet, genauer: überarbeitet, deren Urfassung an Textlastigkeit und mangelnder Interaktivität nicht hinter meinem auf IDEA Live erzeugten Probierkurs zurück stehen.

offline

Bei einer Sales Promotion für IDEA Team und das Modul IDEA Cam (Screencasts), die ich initiiert hatte, wurde auch IDEA Live/Business (für große Intranets, also unsere Kragenweite) präsentiert. Im Rahmen der Vorstellung setzte es dann das finale Announcement des mehrmals verschobenen amtlichen Launch von IDEA Live/Open Education (wie es vollständig und unbescheiden heißt) im Web. Grund genug, das eingebettete Authoring Tool einmal, mit komparativem Blick auf den bekannten IDEA Offline-Client und Educational Media-Anlass im Rücken, jetzt mal praktisch zu bespechten. Und Anstiftungswirkung auf Udo zu entfalten – Link & Lob dazu unten.

Was geht?

Jedefrau/rmann kann nach Registrierung beliebig viele Kurse erstellen und sie „live“ für alle angemeldeten Portal-Nutzenden oder optional auch für die gesamte Web-Öffentlichkeit (ohne Anmeldung) freigeben. Die Kurse werden dabei standardmäßig unter die Creative Commons-Lizenz BY-NC-SA gestellt. Für das Authoring steht ein graphischer Editor zur Verfügung, der die freie Plazierung von Text-, Bild-, Video- (Flash) und Audio-Elementen erlaubt. Eigene Multimedia-Files können in Medienbibliotheken abgelegt und von dort in das Projekt eingebunden werden. Eine Auswahl an Standard-Layout-Vorlagen (Master-Templates) steht bereit, die von der Autorperson geringfügig angepasst werden können. Als Hilfestellung werden gängige Sets für Multiple-/Single-Choice-, Text- und Drag‘n‘Drop-Aufgaben angeboten. Beim Handling unterstützen Assistenten. Der Support durch die Helferlinge ist allerdings zwangsweise, denn Zugriff auf die IDEA-eigene Skriptsprache hat man in der Gratis-Variante nicht. Wahlweise kann die Autorperson die didaktischen Designs auch selbst gestalten. Die Features des IDEA-eigenen Mediaplayers können im Autorentool zu- und abgewählt werden.

Klickt das & schauet

Wer interaktiv mit Ereignis-Aktion-Kopplung über Bild-/Text-Elemente via Drag‘n‘Drop, Schalt- oder Sensorflächen und multimedial didaktisiert, kommt mit dem Tool im Wortsinn auf ihre/seine Kosten. Sowas gibt‘s nicht häufig für umme, online ohne Plugins noch weniger und bei den reinen SCORM-Editoren sowieso nicht. Das hat mich schon geflasht. Auf dieser Technologie basiert, wie frau/man nun ahnen kann, das Frontend der App auch.

Schmuckes Authoring von
http://www.idealive.de/#stateid=221%26courseid%3D22
Falsche Juwelierwaren!
Schmuck, Uhren, Edelsteine – Fälschungen erkennen

Einen anderen Weg als den multimedial-interaktiv von dem Tool inspirierten bin ich selbst gegangen, indem ich mir Material aus einem älteren, sperrig-textlastigen Kurs zur one-to-one Umsetzung in IDEA-Live vorgenommen habe. Die einzige Interaktion bestand aus Multiple-Choice-Aufgaben. Nutzungsschwerpunkte waren vielmehr die Glossar-Funktion, die sequentielle und explorative Navigation, die Ankreuzaufgaben und das Einbringen der wenigen Abbildungen und Tabellen. Eigentlich ruft die Intention des „Fälschung“-Kurses nach mehr Mediendidaktik … Vielleicht Gegenstand für ein Medienprojekt. Wer die ziemlich mächtige Multimedia-Unterstützung des Tools schauen möchte und über ein wenig handwerkliches Geschick und Rhythmusgefühl verfügt, der/dem sei der Kurs „Cajon selber bauen“ von Udo , der meinen IDEA-Geheimtipp erfolgreich aufgegriffen hat, schwer empfohlen – dig into these goodies: http://www.idealive.de/#stateid=221%26courseid%3D23

Das habe ich nicht getan

Die Bearbeitung des Glossars ist gut handelbar, über das Feature „interaktives Glossar“ kann auf jeder einzelnen Seite festgelegt werden, ob ein Wort des Textes automatisch mit seiner Entsprechung im Glossar verknüpft und für die Lernenden gehighlited wird und z.B. per Mouse-Over zum Anzeigen des Glossar-Eintrags führt. Zweckmäßig gelöst ist die Einbindung der Kursstruktur, die sich für die Lernenden ein- und ausblenden lässt und natürlich auch den individuellen Lernweg memoriert (selbstredend keine Funktion des Autorensystems, sondern der Plattform). Gelungen gestaltet sich das Anlegen der Aufgaben, wobei zwischen einem Übungs- und Testmodus (mit Punkten) gewählt werden kann. Weitere Features wie die Option zum Anzeigen der richtigen Antworten machen zufrieden. Etwas umständlich ist die Übernahme des RTF-Materials über einen zusätzlichen Editor, ein Importfilter ist in der Gratis-Variante leider nicht verfügbar (s.a. unten). Die Umsetzung der frei zugänglichen, basalen Funktionen entspricht übrigens weitgehend der des Offline-Tools IDEA Professional.

Was garnicht geht (nur gegen Bares)

Im- und Export von Kursmaterial per Upload, das nicht (Bewegt-)Bild oder Audio ist, sowie mit Metadaten (SCORM-Pakete!) wird nur per kostenpflichtigem Upgrade auf die Premium-Version von IDEA Live gewährt. Zahlende Anwender/innen können darüber hinaus konsequenterweise auch mit IDEA Professional offline erstellte Kurse zur Weiterverarbeitung in das Online-Tool hochladen. Gegen Geld können zudem eigene Master-Templates gestaltet, also bspw. auf den Kursinhalt oder auf das Corporate Design des Bildungsanbieters abgestimmt werden. Die Nutzung der IDEA-eigenen Skriptsprache und einer automatischen Versionsverwaltung ist gleichfalls Privileg der Zahlenden. Daneben kann mit dem Premium-Zugang ein Rollenkonzept für die kooperative Arbeit am WBT (Autor, Headwriter, Projektmanager, Tester usw.) umgesetzt werden. Der Funktionsumfang entspricht damit in etwa dem des Produkts IDEA Team. Auf Portal-Ebene verheißt der Premium-Zugang u.a. eine personalisierte Nutzung und geschlossene Lernendengruppen, also eine echte Kursverwaltung, und macht damit das Portal zu einem richtigen LMS.

Gelb: Für freie Autorpersonen verbotene Premium-Früchte

Klar, der Hersteller bietet IDEA Live nicht nur aus humanitärer Intention an. Das System soll zum einen als Teaser und Appetizer für die kommerziellen Varianten IDEA Team, IDEA Professional, IDEA Live/Business bzw. den Premium-Zugang oder für das „Einmieten“ auf dem Server als Host für die eigene, virtuelle Plattform dienen, zum anderen über die offene Community-Funktion wacker freien Learning Content aggregieren und so Aufmerksamkeit für das Portal zu schaffen. Nicht verwerflich, ein marketingtechnischer Fuchsbau und interessantes Geschäftsmodell mit Win-Win-Benefits, wie sie typisch für viele 2.0-Konzepte sind.

Fazit

Wer spontan aus der Hand, auch mobil nur mit Browser und online, schnell mal ein lockeres WBT als Microlearning abliefern (unser Ideal), etwas der (Open) Community präsentieren oder einfach mal Bild-/Text-Kontiguität oder so sich selbst oder anderen lernen möchte,  sollte IDEA Live unbedingt ausprobieren. Und, dank der Lernplattform-Integration, alle, die gerade kein LMS zugänglich haben oder schnell mal eben ein eigenes Moodle aufsetzen können.

Unter diesen Bedingungen würde ich IDEA Live jederzeit wieder nutzen. Steht mir jedoch als Alternative ein Offline-Autorentool zur Verfügung, würde ich diesem, nicht nur aus Old School-Motiven, den Vorzug geben: Die meist gegebenen Import- und Exportmöglichkeiten, im ersten Rang SCORM-Paketierung und die Ausgabe als CBT und vor Allem der Umstand, dass der Learning Content auf IDEA Live jailed ist, hemmen meine Begeisterung. Nicht, dass ich dem Hersteller misstrauen würde (zwei Leute kenne ich persönlich, wackere und ehrbare Ruhris), und das Geschäftsmodell bedingt ja diese Limitierung – aber: Frei erzeugte Inhalte (dazu noch unter CCL) sollten auch wirklich für Jede/n frei verfügbar sein; einfache Druckausgabe oder Flash-Grabbing tut es bei WBTs eben nicht, nur freier Download als HTML/XML-Archiv bzw. als SCORM-Package wäre wirklich Open Education, sorry.

Noch was Gutes. Das Antwort-Zeit-Verhalten des Servers ist (noch, die Zahl der aktiven Nutzer ist sehr übersichtlich) mehr als akzeptabel – Geschwindigkeit ist wichtig für den Rapid Author. Womit das Stichwort gefallen ist – allerdings lassen die der kommerziellen Varianten vorbehaltenen Import-Möglichkeiten für vorhandenes Material, das bloß noch didaktisiert werden muss, die Einordnung als echtes „Rapid E-Learning“-Tool für die freie IDEA-Variante nur bedingt zu. Aber alles in Allem Grund genug, IDEA Live neben die kostenpflichtigen Mitglieder der IDEA-Familie in den elektrischen Garten zu pflanzen.

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