Sommerforum

Nicht nur mit Reduced Social Cues, sondern auch mit einer ferien-induziert quantitativ verringerten sozialen Präsenz (eingedörrt auf die Hälfte der Gruppe) kämpfte sich eine vierköpfige Brainwalkers-Karawane durch die Textwüste des Forums, auf diskursiver Jagd dürstend nach Fremderfahrungen mit Online-Kommunikationswerkzeugen.

Das Forum als das, weil textbasiert, Social Presence am schwächsten vermittelnde Medium, reichte jedoch für unsere Mission aus: Es musste nicht schnell reagiert werden, und die Eigenheiten der Kommunikationspartner (ungegendert, die -partnerin Hanne war auch im Urlaub, ein Austausch unter Männern also) waren nicht erheblich, da das Thema nicht konfliktträchtig oder Streit heischend, der individuelle Betrachtungskontext eines jeden Diskutanten aus synchroner Vor-Kommunikation bekannt und respektiert war. Maßgeblich waren die vorherige Kenntnis und Anerkenntnis der unterschiedlichen Nutzungskontexte und Standpunkte, aus denen sich die differierenden Wertigkeiten der Diskursgegenstände ableiten ließen. Zudem lag kein Auftrag zur Konsensfindung vor. Die geringe Teilnehmerzahl verhinderte das Bilden von Subgruppen, Parteien oder Meinungsblöcken, die den Austausch spannungsreicher hätten gestalten können. Trumpf waren Harmonie, Akzeptanz und surfermäßige Lässigkeit.

Einst lebendiges Zentrum der Alten Welt: Das Forum Romanum

Die Forumsdiskussion stellte eigentlich eine Anschlusskommunikation dar zur ersten Phase der Bearbeitung, die synchron auditiv im Virtuellen Klassenzimmer stattfand. Hier wurde in der (noch vollständigen) Gruppe in Anwesenheit der Gruppentutorin eine Verklarung der Aufgabenstellung vorgenommen, die Struktur der gemeinsamen Vorgehensweise erörtert und konsentiert. Nach HESSE, GARSOFFKY & HRON (Zusatzmaterial) haben wir mediendidaktisch korrekt agiert, indem diese erste Phase der Meinungsbildung (hier fand auch die einzige semi-emotional geführte Diskussion statt) in einem synchronen Setting, dem Virtuellen Klassenzimmer, gelagert war. Die zweite Phase, das Hauptstück im Forum, hatte faktisch eine Informationssammlung, das Zusammentragen und Abliefern der eigenen Erfahrungen, zum Gegenstand. Hier gab das asynchrone Medium, das ein paralleles Arbeiten über zweieinhalb Wochen ermöglichte, das für den Kommunikationsprozess angemessene Setting. Unser Feuereifer, jedem einzelnen zu besprechenden Kommunikationsmedium erst einmal einen eigenen Thread zu widmen, wurde in der ersten Phase gelöscht von der weisen Strukturhilfe unserer Gruppentutorin, die uns riet, zunächst mit einem einzigen Diskussionsstrang zu beginnen. Ohne diese entscheidende tutorielle Intervention wäre unsere kleine aber feine Oase des Austauschs als ruinöse Kommunikationswüste verödet.

Mehr externe Strukturgebung und Unterstützung war nicht vonnöten, denn mit dem Inhalt des Studienbriefs lagen sowohl eine gemeinsame Wissensbasis als auch über den systematischen Aufbau des Textes ein strukturales Modell für die Repräsentation der Ergebnisse vor. Mit dem bereits im Studium gemeinsam explorierten Erfahrungsraum verschiedener Kommunikationsmedien war ein Deutungsrahmen schon vorgelegt. Über die Passung an die Lerngruppe als Teilnehmer eines weiterbildenden Studienprogramms, die bereits über einschlägige Vorerfahrungen mit Kommunikationswerkzeugen in eigenen Kontexten verfügen, wurde eine eigenständige Aufgabenerledigung nach hinten abgesichert.

Loveparade-Abschlusskundgebung als Forum mit verdichteter sozialer Präsenz

Meine Rolle als Moderator entbehrte, auch ob der kleinen Teilnehmerzahl, jeglicher Lenkungs-, Unterstützungs- oder Aktivierungsleistungen. Dies war vornehmlich den drei übrigen, sowohl meinungs- und artikulationsstarken als auch die basalen Kommunikationsregeln des Mediums skriptfrei lebenden Teilnehmern geschuldet. Alle waren erkennbar von dem Bestreben beseelt, zielgenau abzuliefern. Die Leistung, Standpunkte in sachlicher Argumentation bei Akzeptanz des Gegenübers zu kommunizieren, rechne ich weniger »genuin männlichen« Artikulationsmustern zu. Vielmehr scheinen Aufgabe und Lerngruppe hier in idealer Passung zu korrelieren. Die Abwesenheit von provozierten Streitpositionen tritt deutlich zutage im Vergleich zu der vorher gehenden Forenaufgabe, in der spielerisch ein Disput zwischen Anhängerinnen und Anhängern der verschiedenen Lerntheorien inszeniert werden sollte.

Floatendes Forum von Frieden, salienter Liebe und Harmonie

Die Moderatorenrolle beschränkte sich folglich im Wesentlichen auf das Schreiben der Zusammenfassung, bei deren Fertigung ich feststellte, dass wir Boys of Summer wirklich reichhaltig und aufgrund unserer kooperativen Kommunikationsvorerfahrung zwar nicht identisch, aber in Gruppenidentität abgeliefert haben. Ein hoher Grad an Gruppenkohäsion war also im Vorfeld des Austauschs auf dünnem Texteis bereits gegegeben und musste nicht erst im Forum »hermoderiert« werden. Die inhaltlichen Ergebnisse zeigen jedoch auch , dass die Diskussion nicht in Gefahr lief, vor lauter selbst offenbartem Zusammenhalt der Gruppenmitglieder einen mediendidaktischen Wärmetod zu erleiden.

Mehr externe Strukturgebung und Unterstützung war nicht vonnöten, denn mit dem Inhalt des Studienbriefs lagen sowohl eine gemeinsame Wissensbasis als auch über den systematischen Aufbau des Textes ein strukturales Modell für die Repräsentation der Ergebnisse vor. Mit dem bereits im Studium gemeinsam explorierten Erfahrungsraum verschiedener Kommunikationsmedien war ein Deutungsrahmen schon vorgelegt. Über die Passung an die Lerngruppe als Teilnehmer eines weiterbildenden Studienprogramms, die bereits über einschlägige Vorerfahrungen mit Kommunikationswerkzeugen in eigenen Kontexten verfügen, wurde eine eigenständige Aufgabenerledigung nach hinten abgesichert.
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Eine Antwort to “Sommerforum”

  1. Marianne Says:

    Lieber Christian,
    vielen Dank erst einmal für die detaillierte Beschreibung Eures Gruppenprozesses. Schön, dass Ihr trotz ferienbedingter Abstinenz gemeinsam ein Ergebnis erarbeiten konntet ;o). Es zeigt sich, dass Ihr als Gruppe eine gute Balance als Grundlage für einen „harmonischen Diskurs“ gefunden habt.

    Herzliche Grüße,
    Marianne

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